Inhalt dieses Beitrages
Das dänische Wattenmeer erstreckt sich von Ho Bugt nördlich von Esbjerg bis zur deutschen Grenze — 146 Kilometer Küste, dahinter die Inseln Fanø, Mandø und Rømø. Zusammen mit dem deutschen und niederländischen Teil ist es UNESCO-Weltnaturerbe. Zweimal am Tag zieht sich das Meer zurück und legt den Boden frei. Dann kann man laufen, wo vorher Wasser stand.
Was den Park besonders macht
Das Wattenmeer ist kein Park im klassischen Sinn. Es ist ein Gezeitensystem — das größte zusammenhängende der Welt. 10 bis 12 Millionen Zugvögel machen hier Station auf ihrer Route zwischen Arktis und Afrika. Robben liegen auf den Sandbänken. Austern wachsen wild. Und bei Ebbe steht man auf dem Meeresboden, barfuß im Schlick, und sieht bis zum Horizont nichts als nassen Sand.
Die Highlights
Wattwanderung
Die Königsdisziplin. Geführte Touren starten von Ribe, Mandø und Rømø aus. Man geht barfuß über den Meeresboden, gräbt Wattwürmer aus, findet Muscheln und lernt, warum dieser Matsch eines der produktivsten Ökosysteme der Erde ist. Dauer: 2 bis 4 Stunden. Gummistiefel oder Neoprenschuhe werden oft gestellt. Auf eigene Faust ins Watt gehen ist gefährlich — die Flut kommt schnell und die Priele füllen sich in Minuten.
Sort Sol — Die schwarze Sonne
Im Frühling (März–April) und Herbst (September–Oktober) fliegen Hunderttausende Stare in der Dämmerung gemeinsam über der Marsch. Die Schwärme formen sich zu riesigen, wechselnden Figuren am Himmel, so dicht, dass sie die Sonne verdunkeln. Die besten Plätze sind zwischen Tønder und Ribe. Geführte Touren buchen — die Guides wissen, wo die Schwärme an welchem Abend stehen.
Insel Mandø
Mandø ist nur bei Ebbe erreichbar — über den Mandø Ebbevej, eine unbefestigte Straße durch das Watt. Wer den Gezeitenkalender nicht beachtet, steht im Wasser. Auf der Insel leben rund 30 Menschen. Es gibt eine Kirche, einen Kaufmannshof, der als Museum dient, und endlose Ruhe. Im Frühling brüten hier seltene Vogelarten. Traktorbussen fahren von Vester Vedsted aus, wenn man kein eigenes Auto durchs Watt steuern will.
Insel Fanø
Die größte dänische Wattenmeerinsel, per Fähre ab Esbjerg in 12 Minuten erreichbar. Fanø hat breite Sandstrände, das charmante Dorf Sønderho mit Reetdachhäusern und eine Strandsegelszene. Im Juni findet das Fanø Drachenfestival statt — einer der größten Drachenfestivals Europas, mit Riesenkonstruktionen am Himmel.
Insel Rømø
Über den Rømødæmningen (Damm) mit dem Auto erreichbar. Rømø hat den breitesten Strand Nordeuropas — Lakolk Strand, wo man mit dem Auto bis ans Wasser fahren kann. Im Herbst findet der Drachenflugtag statt. Das Kommandørgården-Museum im Dorf Toftum zeigt die Geschichte der Walfänger-Ära.
Ribe — Tor zum Wattenmeer
Dänemarks älteste Stadt liegt am östlichen Rand des Nationalparks. Von hier starten viele Wattwanderungen und Sort-Sol-Touren. Der Ribe Domkirke, die Wikinger-Geschichte und die Altstadt mit ihren schiefen Fachwerkhäusern machen Ribe zum idealen Ausgangspunkt.
Robben & Austern
Seehunde und Kegelrobben leben auf den Sandbänken im Watt. Bootstouren ab Esbjerg und Rømø fahren zu den Kolonien — man sieht sie aus 50 Metern Entfernung auf den Bänken liegen. Wildaustern (Pazifische Felsaustern) wachsen seit einigen Jahren invasiv im dänischen Watt. Bei geführten Austernwanderungen sammelt man sie selbst — und isst sie am Strand, mit Zitrone und einem Schluck Weißwein.
Wandern & Radfahren
- Marskstien: Fernwanderweg von Esbjerg nach Tønder, entlang der Deiche. 75 km, 3-4 Tage.
- Nordseeküsten-Radweg: Führt durch den gesamten Park. Flach, windig, endlos.
- Deichspaziergänge: Überall möglich, jederzeit. Vom Deich sieht man das Watt, die Schafe, den Himmel.
Praktische Infos
Anfahrt: Ab Esbjerg (Parkeingang Fanø-Fähre) oder ab Ribe. Von Hamburg drei Stunden. Von Kolding eine Stunde.
Eintritt: Kostenlos. Geführte Touren (Wattwanderung, Sort Sol, Robben) kosten 100–200 DKK.
Beste Zeit: Wattwanderung: Mai–September. Sort Sol: März–April, September–Oktober. Austern: November–März. Robben: ganzjährig.
Vadehavscentret: Das Nationalparkzentrum in Vester Vedsted bei Ribe. Ausstellung, Café, Startpunkt für Touren nach Mandø.
Häufige Fragen
Davon wird dringend abgeraten. Die Gezeiten sind unberechenbar, Priele füllen sich schnell, und Nebel kann aufziehen. Geführte Touren kennen die sicheren Wege und den Gezeitenkalender.
Mitte März bis Mitte April und Mitte September bis Mitte Oktober, jeweils eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang. Die größten Schwärme bilden sich bei windstillem, trockenem Wetter. Geführte Touren erhöhen die Chancen deutlich.
Ja, ab etwa 6 Jahren. Es gibt spezielle Familientouren, die kürzer sind (1,5–2 Stunden) und kindgerecht erklärt werden. Kinder lieben es, im Schlick zu graben und Krebse zu finden.
Weiterlesen
- Nationalpark Thy — Dünen und Wildnis an der Westküste
- Nationalpark Mols Bjerge — Hügel und Heide in Ostjütland
- Ribe — Dänemarks älteste Stadt am Wattenmeer
- Tønder — Marschland, Sort Sol und Folk-Festival