Dänische Küche: Smørrebrød, Hotdogs & was man wirklich essen sollte

Die dänische Küche hat lange unter ihrem Ruf gelitten — Kartoffeln, Schweinefleisch, braune Soße. Das stimmt noch immer, wenn man bei Oma isst. Aber seit dem Noma-Effekt hat sich etwas gedreht. Kopenhagen hat mehr Michelin-Sterne als manche Millionenstadt, Street Food Märkte sprießen, und die alte Smørrebrød-Tradition wird von jungen Köchen neu interpretiert. Das Beste: Die Alltagsküche war nie schlecht — man musste sie nur ernst nehmen.

Die Klassiker

Smørrebrød

Das offene Butterbrot, auf dem alles liegt außer einer zweiten Brotscheibe. Dunkles Roggenbrot, Butter, dann der Belag — und der kann alles sein. Hering mit roten Zwiebeln. Roastbeef mit Remoulade und gebratenen Zwiebeln. Räucherlachs mit Dill. Ei und Shrimps. Die Reihenfolge beim Essen ist traditionell: Fisch, dann Fleisch, dann Käse. Wer in Kopenhagen ein gutes Smørrebrød will, geht ins Aamanns oder ins Schønnemann (seit 1877). Auf dem Land serviert jedes zweite Gasthof anständiges Smørrebrød zum Mittagessen.

Stegt flæsk med persillesovs

Offizielles Nationalgericht seit einer Volksabstimmung 2014. Gebratener Schweinebauch mit Petersiliensoße und Kartoffeln. Klingt rustikal, schmeckt genau so. Der Schweinebauch muss knusprig sein, die Soße cremig, die Kartoffeln mehlig. Man bekommt es in jedem Kro (Gasthaus) und in vielen Kantinen. Simpel, aber wenn es gut gemacht ist, versteht man, warum ein ganzes Land dafür gestimmt hat.

Frikadeller

Dänische Frikadellen — flacher und weicher als deutsche, aus einer Mischung von Schwein und Kalb, mit Zwiebeln und Ei. Werden in Butter gebraten, nicht in Öl. Dazu rote Beete, eingelegte Gurken und Kartoffelsalat. Jede dänische Familie hat ihr eigenes Rezept. Im Ferienhaus selbst machen: 500g Hackfleisch (gemischt), 1 Ei, 3 EL Mehl, 1 geriebene Zwiebel, Salz, Pfeffer, etwas Milch. Flach formen, in Butter braten.

Rødgrød med fløde

Rote Grütze mit Sahne. Ein Dessert aus Erdbeeren, Himbeeren und Johannisbeeren, eingedickt mit Kartoffelstärke. Wird kalt serviert, mit einem Kleks Schlagsahne obendrauf. Der Name ist gleichzeitig der Sprachtest für Ausländer — wer “Rødgrød med fløde” aussprechen kann, wird von Dänen sofort akzeptiert. (Hinweis: Die meisten Deutschen können es nicht.)

Hotdogs

Der dänische Hotdog ist kein Imbiss, er ist eine Institution. Der Pølsevogn (Würstchenwagen) gehört zum Straßenbild wie das Fahrrad. Ein richtiger dänischer Hotdog hat: Brühwurst (rød pølse), Roggenbrot, Senf, Ketchup, Remoulade, Röstzwiebeln und rohe Zwiebeln. Die rote Wurst ist mit Lebensmittelfarbe eingefärbt — sieht künstlich aus, schmeckt aber nach Kindheit. Preis: 35 bis 45 DKK. An fast jeder Ecke.

Fisch & Meeresfrüchte

Dänemark ist von Wasser umgeben, und das merkt man auf dem Teller.

  • Hering (Sild): Mariniert, geräuchert, gebraten, eingelebt — Hering in jeder Form. Der Bornholmer Røget Sild (Räucherhering) aus einem der alten Räuchereischornsteine auf der Insel ist ein Muss.
  • Scholle (Rødspætte): Paniert und gebraten, mit Zitrone und Remoulade. Standard in Fischrestaurants an jeder Küste.
  • Shrimps (Rejer): Nordseeshrimps auf Smørrebrød oder als Vorspeise. Werden in Dänemark mit Mayonnaise und Dill serviert, nicht mit Cocktailsoße.
  • Fjordmuscheln: Aus dem Limfjord. Gedünstet in Weißwein, mit Brot zum Aufsaugen.
  • Wildaustern: Im Wattenmeer seit einigen Jahren invasiv. Bei Wattwanderungen kann man sie selbst sammeln und am Strand essen.

Gebäck & Süßes

  • Wienerbrød: Was die Welt “Danish Pastry” nennt, heißt in Dänemark ironischerweise “Wiener Brot”. Blätterteig mit Vanillecreme, Marzipan oder Marmelade. In jeder Bäckerei, jeden Morgen frisch.
  • Kanelbullar: Zimtschnecken, eigentlich schwedisch, aber in Dänemark genauso beliebt. Mit Cardamom im Teig.
  • Flødeboller: Schokoladenküsse mit Schaumboden. Gibt es einzeln beim Bäcker oder als Packung im Supermarkt.
  • Lakrids: Dänemark ist Lakritz-Land. Von mild bis Salmiak-scharf. Die Marke Lakrids by Bülow hat es zum Luxusprodukt gemacht.

Wo man essen sollte

  • Kro (Gasthof): Die dänische Entsprechung zum Wirtshaus. Stegt flæsk, Smørrebrød, Frikadeller. Preise: 120–200 DKK für ein Hauptgericht.
  • Pølsevogn: Hotdog-Wagen. Überall. Schnell, billig, authentisch.
  • Røgeri (Räucherei): Auf Bornholm ein Muss. Geräucherter Hering auf warmem Roggenbrot, draußen am Hafen.
  • Street Food Hallen: Reffen und Broens Gadekøkken in Kopenhagen, Aarhus Street Food. Internationale Küche, dänische Preise.
  • Hofläden (Gårdbutik): Lokale Produkte direkt vom Bauern. Käse, Marmelade, Apfelsaft, Gemüse. Oft Self-Service mit Vertrauenskasse.

Einkaufen & Selbst kochen

Im Ferienhaus kocht man selbst — das gehört dazu. Dänische Supermärkte haben gute Qualität, besonders bei Milchprodukten und Brot.

  • Rugbrød (Roggenbrot) — dunkel, schwer, sättigend. Gibt es in jedem Supermarkt. Ohne Rugbrød kein Smørrebrød.
  • Smør (Butter) — Lurpak ist die bekannteste Marke. Richtige Butter, kein Aufstrich.
  • Remoulade — Die dänische Version ist süßer und milder als die deutsche. Gehört auf Hotdogs, Smørrebrød und gebratenen Fisch.
  • Rød pølse — Rote Brühwurst. Für den Hotdog zu Hause.

Häufige Fragen

Was ist typisch dänisches Essen?

Smørrebrød (belegtes Roggenbrot), Stegt flæsk (Schweinebauch mit Petersiliensoße), Frikadeller, Hotdogs vom Pølsevogn und Rødgrød med fløde als Dessert. Dazu viel Fisch, besonders Hering und Scholle.

Kann man in Dänemark vegetarisch essen?

In Kopenhagen und Aarhus gut — viele Restaurants haben vegetarische und vegane Optionen. Auf dem Land wird es schwieriger. Die traditionelle Küche ist fleischlastig. Im Ferienhaus kann man sich problemlos vegetarisch versorgen, die Supermärkte haben ein gutes Angebot.

Was kostet Essen gehen in Dänemark?

Ein Hauptgericht im Restaurant kostet 150–250 DKK (20–33 €). Im Kro oder Café ist es günstiger: 90–150 DKK. Hotdogs liegen bei 35–45 DKK. Trinkgeld ist nicht üblich.

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